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Industrie 4.0 braucht auf APIs10 Gründe, warum CEOs die Gestaltung von APIs auf keinen Fall Entwicklern überlassen dürfen

Wie Unternehmen eine API-Strategie entwickeln – kostenloser Tool-Download

Was ist ein API?

Ein API (Application Programming Interface) ist  ein Satz von Daten, Programmen, Protokollen und Werkzeugen, die es Entwicklern ermöglichen, auf Systeme zuzugreifen und aufgrund der bereitgestellten Daten und Funktionalität eigene Applikationen zu entwickeln.  Praktische Beispiele sind Schnittstellen zu öffentlichen Wetterdaten, die die Programmierung von Wetter-Apps möglich machen, Authentifizierungsschnittstellen von z.B. Facebook, LinkedIn, Xing u.a., die Nutzern ein Login in Systeme ermöglichen, ohne sich dort vorab registrieren zu müssen, aber auch komplexe Schnittstellen, die es selbst kleinen Unternehmen ermöglichen, E-Commerce über große Plattformen wie Amazon zu betreiben.  Für Nutzer sind APIs meist unsichtbar aber sehr wirksam. Für CEOs waren sie bisher meistens ein technisches Problem.

Das kann so nicht bleiben. APIs werden in rasender Geschwindigkeit zum zentralen Element vernetzter digitaler Geschäftsprozesse. Daher verdienen sie höchste Aufmerksamkeit von Top-Management-Seite. Hier sind 10 gute Gründe, warum CEOs sich selbst direkt mit APIs beschäftigen sollten:

1. Kunden als direkte Nutzer der eigenen Software sind ein Auslaufmodell

Nicht zuletzt durch die weite Verbreitung von mobilen Endgeräten  und darauf installierten Apps kommunizieren Kunden immer weniger mit Unternehmen direkt. Insbesondere digitale Assistenten wie Cortana, Siri, Google Assistant und Alexa besetzen immer mehr die Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kunden. Je mehr diesen kleinen Helfern vertraut wird, desto wichtiger wird es für Unternehmen, ihnen in gut aufbereiteter Form per API Daten und Funktionalität über vielfältige Kanäle zur Verfügung zu stellen.

2. APIs erhöhen den Wert des eigenen Angebots für Kunden

APIs machen die eigene Leistung für Kunden in vielen anderen Umgebungen nutzbar. Beispielsweise lässt sich die Funktionalität des Notizdienstes Evernote mittlerweile eingebettet in etliche andere Anwendungen nutzen. Natürlich ist damit ein gewisser Kontrollverlust verbunden und auch Markenmanager können sich oft nur schwer an den Gedanken gewöhnen, die Kontrolle abzugeben. Dennoch sind APIs für viele Unternehmen der Schlüssel zur Relevanz. Nehmen wir an, ein Unternehmen will in E-Mail-Marketing investieren und sucht dafür einen passenden Partner. Es gibt mittlerweile eine unübersehbare Vielfalt von E-Mail-Marketing-Systemen. Fällt bei der Recherche ein Anbieter auf, dessen API sich nahtlos in das eigene  Content-Management und  CRM-System einklinkt, besitzt es einen unschlagbaren Wettbewerbsvorteil. Bei sonst identischer Funktionalität, springt das Wertangebot dieses Anbieters praktisch von 0 auf 100.

3. APIs eröffnen neue Einnahmequellen

APIs erhöhen die Reichweite des eigenen Angebots, indem sie in Apps und Plattformen Dritter eingebunden werden können. Das allein kann schon zu erheblichen Kundenzuwächsen und Umsatzsteigerungen führen. Darüber hinaus können für APIs eigene Wege der Monetarisierung entwickelt werden, indem die Nutzung des API selbst mit einem Preis belegt wird. Welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, zeigt sich oftmals erst, wenn Partner beginnen, mit dem API zu arbeiten. Die Kreativität der Anwender übersteigt in der Regel das Vorstellungsvermögen des API-Anbieters.

4. Jeder Prozess im digitalen Business wird Algorithmus und API werden

Dass Menschen digitale Prozesse steuern, ist ein teures Übergangsmodell. Zahl und Qualität von Algorithmen –mathematisch-programmtechnischen Routinen, die automatisiert Prozesse überwachen und steuern – nimmt exponentiell zu. Die Arbeit dieser Algorithmen auf das eigene Unternehmen zu beschränken, wäre ein Anachronismus. Im Gegenteil, je mehr es gelingt, komplette Prozessketten abzubilden, desto effizienter und besser werden sie. Damit Algorithmen über Unternehmensgrenzen hinweg miteinander interagieren können, brauchen sie zwingend funktionale APIs. APIs sind damit ein Schlüsselelement für Industrie 4.0 und Industrielles Internet of Things (IIoT).

5. Ein API ist das in Programmcode gegossene Kollaborationsmodell des Unternehmens

Unternehmen agieren zunehmend in komplexen digitalen Wertschöpfungs-Ökosystemen. Wertschöpfungsprozesse finden mehr und mehr unternehmensübergreifend statt. Digitale Wertschöpfung verlangt eine Integration von Datenflüssen und Funktionen. Durch API ist das funktional realisierbar, ohne die Hoheit über eigene Daten und Prozesse aufzugeben. Für jede Kooperation werden tonnenweise Vertragswerke ausgearbeitet, um das wechselseitige Handeln zu regeln. Besser als juristische Klauseln wirken klug gestaltete Funktionalitäten und Zugriffsrechte der APIs. Was hier möglich ist oder nicht, hat einen wesentlich stärkeren Einfluss auf das Verhalten der Partner als Vertragswerke.

6. APIs sind die Eintrittskarte zur Plattformökonomie der Zukunft

Die rasante Entwicklung der Plattformökonomie wird weitergehen. Nur Plattformen sind in der Lage, die Komplexität der digitalen Welt beherrschbar und nutzbar zu machen. Egal ob ein Unternehmen selbst Plattformanbieter wird oder an Plattformen teilnehmen will, ein passendes API stellt die Eintrittskarte dafür dar. Und nur APIs ermöglichen Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M).

7. APIs sparen Kosten machen IT flexibler, Entwickler schneller, Prozesse sicherer

APIs können nicht nur von Partnern, Plattformen oder der Öffentlichkeit benutzt werden. Es gibt auch zahllose Anwendungsbereiche für rein interne APIs. Dadurch, dass APIs eine standardisierte, dokumentierte und eigenständige Funktionalität zur Verfügung stellen, die andere nutzen können, erleichtern sie die Arbeit interner Entwickler, machen komplexe Systeme einfacher realisierbar und sicherer und vereinfachen die Zusammenarbeit von alten und neuen Systemen.

8. APIs bieten Zugang zu Wissen und Kreativität, agiler Innovation

Jedes Unternehmen, dass ein API zur Verfügung stellt, wird sich früher oder später darüber wundern, was alles darauf aufgebaut werden kann. Ein breites Feld ist derzeit das Thema Smart City. Barcelona hat bereits viele Smart-City-Auszeichnungen erhalten, nicht zuletzt wegen des aktiven Umgangs mit Datenzugängen. So wurde beispielsweise ein Smart City App Hack ins Leben gerufen und ein API unter dem Namen CitySDK (City Software Development Kit) bereitgestellt. Damit gewinnt Barcelona Entwickler dafür, aktiv an der Stadt der Zukunft mitzuwirken, indem eigenständige Lösungen für die aktuellen Probleme großer Städte entwickelt werden.

9. APIs sind ein Tor zum Unternehmen – auch im negativen Sinne

Jedes API kann auch ein Einfallstor für digitale Angreifer oder ein Objekt des Missbrauchs sein. Aus diesem Grunde ist es wichtig, von Anfang an auf Sicherheit der Schnittstelle zu achten (Security by Design) und die rechtliche Seite der API-Nutzung abzusichern.

10. Selbst die besten Entwickler können die strategische Dimension von APIs nicht bearbeiten

Gute Entwickler sehen sicherlich besser als das Top-Management die technischen Möglichkeiten und Grenzen von APIs. Die API-Strategie eines Unternehmens zu entwickeln bleibt aber Management-Aufgabe. Techniker können dabei als Ratgeber fungieren, die Aufgabe jedoch nicht selbst lösen.

Der Weg in die Zukunft

Die digitale Ökonomie wandert derzeit mit rasender Geschwindigkeit in automatisierte, durch Algorithmen gesteuerte (teil)autonome Systeme. Privatleute spüren die Entwicklung besonders bei Assistenzsystemen, wie Alexa, Cortana, Siri, Google Assistant oder Fahrassistenzsystemen. Für Unternehmen werden integrierte, unternehmensübergreifende Prozessketten und Wertschöpfungssysteme immer realer (IIoT, Industrie 4.0).

Die letzten 20 Jahre des Internets haben sich – zu Recht – um die Schnittstelle zum Kunden gedreht (Content, Usability etc.). Die nächsten Jahre werden immer stärker das nicht sicht- und spürbare Internet in den Vordergrund rücken (M2M, Assistenten etc.). Es geht kein Weg daran vorbei Top Management wird sich strategisch damit auseinandersetzen müssen.

 

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Wie entwickelt man eine API-Strategie?

1. Die Kundenstrategie festlegen

Auch wenn Kunden von einem API in der Regel gar nicht viel mitbekommen, sind sie doch die letztendlichen Nutznießer. Der Wert eines API wird sich daran messen, inwiefern für Kunden dadurch Leistungen schneller, besser, kostengünstiger oder vielfältiger werden. Wie soll sich das Kundenerlebnis durch ein API verbessern? Welchen Zusatznutzen kann ein API generieren? Wie verändern sich Kundenbasis, Kanäle und Interaktionen durch ein API? Diese und weitere Fragen helfen, APIs so zu entwickeln, dass sie für Kunden und das Unternehmen selbst Wert generieren.   

2. In die Digitalstrategie einbetten

Jedes API sollte in der Digitalstrategie des Unternehmens eingebettet sein. Der Fokus sollte darauf liegen, Wert zu generieren. APIs ermöglichen verschwendungsfreiere Wertströme, indem gerade an den Schnittstellen zu Wertschöpfungspartnern und Kunden funktionale Lösungen angeboten werden. Dazu gehört natürlich auch, dass das Wertversprechen von Produkten und Serviceangeboten hochwertig und unverwechselbar wird.

Jedes API wird auch eine Wirkung auf Preisgestaltung und Geldflüsse haben. Wo lässt sich ein API monetarisieren? Wie können kontinuierliche Geldflüsse generiert werden? Welchen Beitrag kann ein API zu Kostensenkungen leisten? Welche Sicherheitsmechanismen sind erforderlich und welche rechtlichen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden?   

3. Netzwerk- und Partnerstrategie

Gerade im Rahmen von Industrie 4.0 können flüssige Wertschöpfungsprozesse über Unternehmensgrenzen hinweg nur mit Hilfe von APIs realisiert werden. Daher sollten zeitnah Partner aus dem Wertschöpfungsnetzwerk in die Entwicklung mit einbezogen werden. Tauscht man  frühzeitig aus, welche Standards erwartet und angeboten werden, erleichtert das die spätere Kooperation immens.

4. Logische und technische Umsetzung des API

Erst jetzt lohnt es sich, die benötigten Algorithmen und die technische Umsetzung des API in Angriff zu nehmen.

 

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veröffentlicht: 24.10.2016, © Uwe Weinreich

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